Wer sagt eigentlich, dass man für den großen Auftritt in Latex bis zum Einbruch der Dunkelheit warten muss? Ich sicher nicht. Während der Rest von Aachen sich in langweiliges Leinen und öde Baumwolle hüllt, wenn das Thermometer die 25-Grad-Marke knackt, habe ich mich für das entschieden, was ich am besten kann: Auffallen, provozieren und dabei verdammt gut aussehen. Zusammen mit der fabelhaften Lilly und Amy Grey – die heute mal nicht nur als Model, sondern primär als Mastermind hinter den Schnitten von Miss Grey Latex Fashion dabei war – haben wir das Kopfsteinpflaster der Altstadt unsicher gemacht.

Der Vibe war von Anfang an gigantisch. Es ist ein besonderes Gefühl, in einer so geschichtsträchtigen Stadt wie Aachen in High-End-Latex unterwegs zu sein. Man spürt förmlich, wie die Luft knistert, wenn das Material in der Sonne reflektiert. „Ganz ehrlich, die Dom-Besichtigung war sicher spannend, aber die Leute hatten heute Augen für ganz andere Kurven,“ grinste ich Lilly zu, während wir uns für die ersten Shots in Position brachten. Wir haben uns bewusst für einen Look entschieden, der zwar sexy und figurbetont ist, aber trotzdem diese gewisse Streetwear-Eleganz behält. Naja, so elegant man eben ist, wenn man sich in hautenges Gummi hüllt.

Was mich an diesem Tag am meisten überrascht hat? Die Reaktionen der Leute. Normalerweise erwartet man bei Latex in der Öffentlichkeit ja immer diese Mischung aus Schockstarre und betretenem Weggucken. Aber Aachen war anders. Wir wurden ständig angesprochen – und zwar unglaublich freundlich. Von der netten Omi, die wissen wollte, ob man in der Jacke nicht schwitzt (Antwort: „Ein bisschen, aber für die Optik leide ich gern“), bis hin zu Touristen, die wissen wollten, wo man solche Kunstwerke kaufen kann. Amy Grey war natürlich voll in ihrem Element und erklärte jedem geduldig die Vorzüge von handgefertigtem Latex. Ich stand daneben, genoss das Blitzlichtgewitter und die Tatsache, dass meine Tattoos im Sonnenlicht fast so hell leuchteten wie mein Rock.
„Normalerweise ist Aachen für seine Printen bekannt – heute waren wir die süßeste Versuchung der Stadt. Und im Gegensatz zu den Keksen hinterlassen wir keine Krümel, sondern bleibenden Eindruck.“
Der absolute Gewinner, was Kommentare an diesem Tag angeht, war ein älterer Herr mit Schiebermütze, der seelenruhig mit seinem Dackel an der Leine an uns vorbeispazierte.Er blieb kurz stehen, schaute an mir hoch, fixierte kurz die knallige Jacke und dann den spiegelglatten Rock, hob die Augenbrauen und meinte ganz trocken im feinsten Öcher Platt: „Mädsche, dat is ens jet anndere als die Printen! Wenn de Kaiser Karl dat jesinn hätt, hätt de Dom hück sicher zwei Türme mieh.“ Lilly und ich sind fast vor Lachen vom Kopfsteinpflaster gekippt! Amy musste auch schmunzeln, während sie gerade versuchte, meinen Kragen wieder perfekt in Szene zu setzen. Es war genau dieser Humor, der den Tag in Aachen so besonders gemacht hat. Man merkt einfach, dass wir hier zu Hause sind – die Leute sind direkt, herzlich und lassen sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn da plötzlich zwei Mädels in High-End-Latex in der Altstadt posieren.

Lilly und ich haben uns köstlich amüsiert. Es ist ein echter Power-Trip, wenn man merkt, wie man den Rhythmus einer ganzen Straße verändert. Männer blieben stehen, vergaßen kurz ihr Eis, und Frauen warfen uns anerkennende Blicke für den Mut (und die Figur) zu. „Sich so zu präsentieren, hat nichts mit Ausziehen zu tun, sondern mit Anziehen – und zwar von Aufmerksamkeit,“ philosophierte ich zwischen zwei Posen. Amy hat mit ihren Designs von Miss Grey wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Schnitte sitzen wie eine zweite Haut, betonen jede Kurve, ohne einzuengen, und die Farbkombination aus klassischem Schwarz und diesem knalligen Orange war einfach unschlagbar für ein Sommershooting.

Besonders die Kombination aus dem tiefschwarzen, spiegelglatten Minirock und dem perfekt sitzenden BH hat es mir angetan. Es fühlt sich einfach unglaublich hochwertig an, wie eine zweite, viel provokantere Haut. Wenn dann noch die knallorangefarbene Biker-Jacke drüberfällt, ist der Kontrast perfekt. Es ist dieser Mix aus „Hardcore-Material“ und modernem Street-Style, der die Leute so fasziniert hat. Amy hat da wirklich ganze Arbeit geleistet – das Material bewegt sich mit mir, betont meine Taille und lässt genug Raum für meine Tattoos, um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Es ist kein Kostüm, es ist ein Statement.
Wenn die Sonne so richtig auf das schwarze Latex knallt, passiert etwas Magisches: Das Material speichert die Wärme und gibt sie direkt an die Haut weiter. Es fühlt sich an wie eine heiße, feste Umarmung, die mit jeder Minute intensiver wird. „Man schmilzt nicht einfach nur dahin, man wird eins mit dem Outfit,“ habe ich zu Amy gesagt, während sie mir kurz Luft fächerte.
Das Besondere an dem Look von Miss Grey ist dieses unfassbar glatte Finish. Unter der Sonne Aachens wurde das Latex fast flüssig in der Optik, während es sich auf der Haut immer enger und geschmeidiger anfühlte. Jede Bewegung auf dem unebenen Kopfsteinpflaster hat das Material zum Arbeiten gebracht – ein ständiges Wechselspiel aus Spannung und Entspannung. Es ist dieses leicht klebrige, aber gleichzeitig seidige Gefühl, das dich ständig daran erinnert, dass du gerade absolut nichts Alltägliches trägst.
Und dann ist da dieser Geruch… wenn das warme Gummi diesen ganz speziellen, süßlich- herben Duft verströmt, der sich mit der Sommerluft in der Altstadt vermischt. Es ist berauschend. Micha musste zwischendurch immer mal wieder warten, weil ich mir kurz die Sonnenbrille richten oder die Jacke lüften musste – nicht, weil es zu heiß war, sondern weil ich dieses Prickeln auf der Haut, wenn ein kühler Luftzug unter das warme Latex fährt, einfach zelebriert habe. Ein echter Kontrast-Kick!

In unserer Heimatstadt über das alte Kopfsteinpflaster zu stolzieren, auf dem schon Kaiser Karl gewandelt ist, hatte etwas fast schon Magisches. Diese historische, fast ehrwürdige Atmosphäre der Altstadt traf auf unseren modernen, glänzenden Fetisch-Look – ein Kontrast, der die Luft förmlich zum Vibrieren brachte. Es war, als würden wir die Geschichte Aachens mit einem kräftigen Schuss Extravaganz wachküssen. Amy rief zwischendurch immer wieder Korrekturen: „Coco, lass das Orange mehr leuchten! Lilly, dreh dich mehr ins Licht!“ Währenddessen sorgte Micha mit einer Engelsgeduld dafür, dass jeder Lichtreflex auf dem schwarzen Gummi perfekt eingefangen wurde.
„Das Kopfsteinpflaster hier ist tückisch, besonders in Plateau-Heels. Aber hey, wenn man schon fällt, dann wenigstens glänzend und mit Stil!“
Am Ende des Tages waren wir zwar ordentlich platt, aber glücklich. Wir haben bewiesen, dass Latex absolut stadttauglich ist, wenn man es mit dem nötigen Selbstbewusstsein trägt. Aachen hat uns mit offenen Armen empfangen, und ich bin mir sicher, dass wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ein fettes Danke geht an Amy für die genialen Entwürfe, an Lilly für den gemeinsamen Spaß vor der Kamera und natürlich an Micha, der das Ganze so meisterhaft für die Ewigkeit festgehalten hat. Wir haben die Stadt definitiv ein bisschen glänzender gemacht.
[Info: Wiederveröffentlichung vom 10.12.22]
Manchmal reicht ein Outfit, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Diese Fotos zeigen mich draußen, sichtbar unterwegs. Latexfashion sitzt perfekt, glänzt im Licht und begleitet mich ganz selbstverständlich. Ich weiß, wie das wirkt – und ich spiele damit. Locker, offen, ein bisschen frech.
Ich mag dieses leise Staunen.
Dieses kurze Innehalten.
Und mein Grinsen, das sagt: Ja, genau so.
Latexfashion braucht keine Bühne. Sie funktioniert überall, wenn man sie trägt, ohne sie erklären zu wollen.
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