Manche Shootings beginnen mit einer Kamera. Andere beginnen mit einer Idee. Dieses Shooting begann mit Kaffee und Käsekuchen.
Wer Lina kennt, weiß, dass Käsekuchen bei ihr ungefähr den Stellenwert besitzt, den ein funktionierender Autofokus bei einem Fotografen hat. Ohne geht es zwar irgendwie, aber niemand wäre wirklich glücklich damit. Also saßen wir zunächst einmal zusammen, tranken Kaffee, aßen Kuchen und machten das, was wir vor unseren Shootings eigentlich immer machen. Wir redeten über alles Mögliche, nur nicht über das Shooting selbst.
Das ist einer der großen Vorteile, wenn man mit Menschen arbeitet, die man schon viele Jahre kennt. Man muss keine künstliche Stimmung erzeugen und keine Gespräche führen, die nur deshalb stattfinden, weil man sich noch nicht kennt. Stattdessen unterhält man sich über den Alltag, über aktuelle Projekte, über gemeinsame Bekannte und über all die kleinen Dinge, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Irgendwann landet das Gespräch dann fast automatisch bei der Frage, was man an diesem Tag eigentlich fotografieren möchte.
Genau an diesem Punkt wurde die Latex-Leggings zum Thema.
Wer jetzt glaubt, dass Lina darauf begeistert reagiert hat, weil sie Latex so sehr liebt, kennt Lina nicht besonders gut. Tatsächlich gehört sie eher zu den Menschen, die dem Material mit einer gewissen Zurückhaltung begegnen. Während andere Models beim Wort Latex sofort anfangen, über Farben, Schnitte und passende Accessoires zu sprechen, interessiert Lina vor allem die Idee hinter einem Shooting. Das Material selbst ist für sie selten der entscheidende Punkt.
Wenn Lina Latex trägt, dann muss entweder das Outfit etwas ganz Besonderes sein oder die Shootingidee sie wirklich begeistern. Genau das war hier der Fall.
Die eigentliche Hauptrolle spielte nämlich gar nicht die Leggings. Die Hauptrolle spielte die Vorstellung, ein Kleidungsstück, das viele Menschen automatisch mit Fetisch verbinden, mitten in einen völlig normalen Alltag zu setzen. Keine Studioumgebung. Keine künstliche Inszenierung. Keine bewusst provozierende Kulisse. Stattdessen eine ganz normale Innenstadt an einem sonnigen Tag, ein Eis in der Hand, ein Hund an der Seite und eine Latex-Leggings als selbstverständlicher Teil eines Fashion-Outfits.
Diese Idee fand Lina sofort spannend. Nicht wegen des Latex! Sondern wegen des Fashion- und Lifestyle-Gedankens dahinter!
Genau das war übrigens auch die ursprüngliche Philosophie von Rosengarn Latexdesign. Das kleine Label, von dem die Leggings stammt, wollte Latex nie ausschließlich als Fetischmaterial verstehen. Die Designerin hatte damals eine ziemlich klare Vorstellung davon, was sie erreichen wollte. Latex sollte nicht nur auf Partys, Messen oder Shootings stattfinden. Es sollte Teil des Alltags werden. Teil der Mode. Teil eines ganz normalen Outfits. Leider existiert Rosengarn heute nicht mehr, aber die Idee hinter den Designs gefällt mir bis heute.
Als wir schließlich in der Innenstadt ankamen, war von irgendwelchen theoretischen Überlegungen ohnehin nicht mehr viel übrig. Die Sonne schien, die Straßen waren gut besucht und die erste Eisdiele ließ nicht lange auf sich warten. Damit war der Ablauf des Nachmittags praktisch besiegelt.

Während Lina auf einer Bank Platz nahm und ihr Eis genoss, beobachtete Remo die Situation mit einer Ernsthaftigkeit, die man normalerweise nur bei wichtigen Verhandlungen erwartet. Für ihn war vollkommen klar, dass irgendwo zwischen seiner Besitzerin und dieser Eiswaffel eine Verbindung bestand, die möglicherweise auch für ihn von Vorteil sein könnte. Seine gesamte Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Eis. Nicht auf die Menschen, nicht auf die Innenstadt und ganz sicher nicht auf den Fotografen.
Ich glaube, er war fest davon überzeugt, dass Geduld irgendwann belohnt werden würde.

Schon nach kurzer Zeit fiel mir etwas auf, das für den gesamten Tag entscheidend werden sollte. Lina dachte überhaupt nicht mehr über die Leggings nach. Das mag zunächst unspektakulär klingen, ist bei einem Shooting aber tatsächlich ein wichtiger Punkt. Viele Menschen beschäftigen sich unbewusst ständig mit Kleidung, die sie nicht gewohnt sind. Sie ziehen daran herum, korrigieren Kleinigkeiten oder wirken zumindest ein wenig vorsichtig.
Hier passierte nichts davon.
Nun könnte man natürlich argumentieren, dass Lina professionell genug ist, um sich mögliche Unsicherheiten ohnehin nicht anmerken zu lassen. Und das stimmt auch. Wer sie bei einem Shooting erlebt, merkt sehr schnell, dass sie genau weiß, was sie tut. Selbst wenn sie sich in einem Outfit nicht hundertprozentig wohlfühlen würde, würden die meisten Menschen das wahrscheinlich niemals bemerken.
Ich allerdings schon … dafür kennen wir uns inzwischen viel zu lange.
Genau deshalb fiel mir auf, dass hier nichts gespielt werden musste. Die Leggings war nach wenigen Minuten einfach kein Thema mehr. Sie gehörte zum Outfit, als wäre sie schon immer dort gewesen. Das Material verschwand praktisch hinter der Gesamtwirkung des Looks.

Je länger wir unterwegs waren, desto deutlicher wurde dieser Eindruck. Die Kombination aus dem karierten Oberteil, den weißen Sneakern und der schwarzen Latex-Leggings wirkte erstaunlich harmonisch. Eigentlich hätte man erwarten können, dass die glänzende Oberfläche ständig Aufmerksamkeit auf sich zieht. Stattdessen fügte sie sich erstaunlich selbstverständlich in das Gesamtbild ein.
Vielleicht lag das auch daran, dass Lina genau die Art von Ausstrahlung besitzt, die ein Outfit trägt, anstatt von einem Outfit getragen zu werden. Menschen bemerkten die Leggings zwar durchaus, aber sie bemerkten zuerst Lina. Die Leggings war ein Detail. Ein interessantes Detail, aber eben nur ein Teil des Gesamtbildes.

Während wir fotografierten, lief das Leben um uns herum ganz normal weiter. Familien gingen einkaufen, Kinder schleckten Eis, irgendwo spielte Straßenmusik und ständig liefen Menschen an uns vorbei. Genau diese Umgebung machte die Serie für mich so interessant. Hätten wir dieselben Bilder in einem Studio aufgenommen, wäre die Aussage eine völlig andere gewesen. Hier befand sich das Latex nicht in seiner gewohnten Umgebung. Es musste sich mitten im Alltag behaupten.
Und genau dort funktionierte es überraschend gut.
Immer wieder bemerkte man kurze Blicke von Passanten. Manche schauten nur flüchtig hin, andere etwas länger. Einige Männer drehten sich sogar noch einmal um, nachdem sie an uns vorbeigegangen waren. Das hatte allerdings weniger mit dem Material zu tun als mit Lina selbst. Sie besitzt eine fantastische Figur, wirkt sportlich, natürlich und sympathisch zugleich. Aufmerksamkeit entsteht bei ihr nicht durch Lautstärke, sondern durch Präsenz.
Der eigentliche Star des Nachmittags war allerdings längst jemand anderes geworden. Remo hatte sich mittlerweile fest in den Mittelpunkt gearbeitet. Jedes Mal, wenn Lina das Eis bewegte, verfolgte er die Bewegung aufmerksam. Jede kleine Veränderung schien für ihn eine mögliche Chance darzustellen. Seine Geduld war beeindruckend. Seine Hoffnung offenbar grenzenlos.
Zwischen den Aufnahmen sorgte genau das immer wieder für Gelächter. Solche Momente kann man nicht planen. Sie entstehen einfach. Und genau deshalb sind sie oft die schönsten Bestandteile eines Shootings.

Während Lina das bunte Treiben der Innenstadt beobachtete, hatte Remo seine Aufmerksamkeit weiterhin ausschließlich auf seine Besitzerin gerichtet. Dieses Bild beschreibt die beiden eigentlich perfekt. Lina nimmt ihre Umgebung wahr, entdeckt ständig neue Details und genießt die Atmosphäre eines solchen Nachmittags. Remo hingegen interessiert sich vor allem dafür, wo Lina ist und was sie gerade macht.
Genau diese kleine Verbindung zwischen den beiden zieht sich durch die gesamte Serie. Sie ist nie aufdringlich, aber ständig sichtbar.

An diesem Punkt dürfte Remo endgültig überzeugt gewesen sein, dass sein großer Moment gekommen war. Sein Blick verrät jedenfalls eine bemerkenswerte Zuversicht. Ob diese Zuversicht berechtigt war, bleibt an dieser Stelle lieber ein Geheimnis. Hunde haben schließlich ein Recht auf ihre kleinen Illusionen.
Für mich gehört dieses Bild zu den schönsten der gesamten Serie, weil es die entspannte Stimmung des Nachmittags perfekt einfängt. Nichts wirkt gestellt. Nichts wirkt geplant. Es ist einfach ein kleiner Moment zwischen Mensch und Hund.
Je länger der Tag dauerte, desto mehr bestätigte sich eine Erkenntnis, die wir eigentlich schon zu Beginn vermutet hatten. Latex kann durchaus alltagstauglich sein. Natürlich wird nicht jeder Mensch morgen in einer Latex-Leggings durch die Innenstadt laufen. Das muss auch gar nicht sein. Aber diese Bilder zeigen sehr deutlich, dass Latex nicht automatisch provozieren oder schockieren muss.
Manchmal ist es einfach nur ein Kleidungsstück … ein besonderes Kleidungsstück vielleicht. Aber eben trotzdem ein Kleidungsstück.

Als wir die letzten Bilder aufnahmen, war längst klar geworden, dass die ursprüngliche Idee von Rosengarn aufgegangen war. Die Leggings hatte sich nicht in den Vordergrund gedrängt. Sie hatte nicht versucht, die Aufmerksamkeit an sich zu reißen. Stattdessen war sie genau das geworden, was die Designerin vermutlich immer im Sinn gehabt hatte: ein selbstverständlicher Teil eines modischen Outfits.
Für mich bleibt dieser Tag deshalb nicht als Latex-Shooting in Erinnerung. Er bleibt mir als entspannter Sommertag mit einer guten Freundin, einem ausgesprochen motivierten Hund, viel Gelächter, Kaffee, Käsekuchen und einer überraschend gelungenen Fashion-Idee im Gedächtnis.
Und die Geschichte endet hier noch nicht.
Tatsächlich haben wir an diesem Nachmittag deutlich mehr fotografiert, als in diesen ersten Teil gepasst hat. Wir waren noch lange unterwegs, haben weitere Orte entdeckt und eine ganze Reihe zusätzlicher Aufnahmen gemacht, die eine etwas andere Seite dieses Shootings zeigen. Das Eis verschwindet dabei langsam aus der Geschichte, die Latex-Leggings bleibt jedoch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.
Der zweite Teil folgt deshalb schon in wenigen Tagen. Und ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass die glänzenden Momente in der City gerade erst begonnen haben.
Manche Motive wirken nicht durch das, was sie zeigen,
sondern durch das, was sie selbstverständlich wirken lassen.
Diese gehören dazu.
Die Aufnahmen zeigten Lina in Latexfashion, mitten der Öffentlichkeit. Das Material spannte sich um den Körper, spiegelte Licht und machte jede Bewegung sichtbar. Lina bewegte sich ruhig und sicher, als wäre genau diese Umgebung Teil des Konzepts.
Alles blieb kontrolliert.
Der Ort reagierte, Lina blieb konstant.
Genau daraus entstand diese stille Spannung.
Solche Bilder bleiben hängen, weil sie nichts erklären wollen.
Sie zeigen Präsenz und lassen dem Betrachter den Rest.
Latexfashion funktioniert hier als Verstärker. Auf Lina wirkt sie nicht wie ein Statement, sondern wie eine bewusste Entscheidung. In der Öffentlichkeit entsteht daraus ein Kontrast, der nicht laut ist, aber wirkt.
Was hat dich beim Betrachten zuerst gepackt?
Die Ruhe, Linas Ausstrahlung oder der Kontrast zum Umfeld?
Schreib es gern in die Kommentare.
Kontakt ist einfach: über Kontakt, über Instagram Profil oder Facebook Profil.
Wenn du selbst Lust hast, Latexfashion auch außerhalb klassischer Settings umzusetzen:
Über die Info-Seite zur Modelbewerbung können sich ausschließlich weibliche Modelle melden, die Interesse an ästhetischer Fotografie haben und sich bewusst auf Konzepte mit öffentlicher Sichtbarkeit einlassen möchten.
Custom Shots ermöglichen individuelle Umsetzungen, bei denen Material, Ort und Bildidee gezielt ineinandergreifen.
Beim Fan-Shooting entsteht gemeinsam vor der Kamera ein Projekt, das Spannung nicht erzeugt, sondern nutzt.
Was shi-vas ausmacht, wie wir arbeiten und warum wir Bilder lieber wirken lassen als erklären, erfährst du auf unserer Über-uns-Seite.
Euer
Micha 📷
Diese Inhalte haben in den letzten 48 Stunden besonders viel Resonanz bekommen:













