Pink Is Not a Team Sport

Wer Amy Grey heute als Gastmodel auf shi-vas sieht, könnte leicht auf die Idee kommen, dass ihre Geschichte bei uns mit ihren ersten Fotos vor der Kamera begonnen hat. Tatsächlich begann sie viele Jahre früher. Lange bevor Amy selbst auf unseren Bildern auftauchte, gehörten ihre Latex-Designs bereits zum festen Bestandteil zahlreicher Shootings. Amy war die kreative Kraft hinter Miss Grey Latex Fashion und damit für einen beachtlichen Teil der Latex-Outfits verantwortlich, die Coco und Lilly im Laufe der Jahre auf shi-vas getragen haben.

Viele Leser haben ihre Arbeiten also längst gesehen, bevor sie überhaupt wussten, wer dahintersteckt. Zahlreiche Bodys, Kleider, Swimwear-Outfits und andere Latex-Kreationen, die auf unseren Fotos zu sehen waren, entstanden in ihrer Werkstatt. Amy gehörte damit schon lange zur Geschichte von shi-vas, bevor sie schließlich selbst vor meiner Kamera stand.

Genau deshalb mag ich Shootings mit ihr besonders gern. Bei vielen Models beginnt die Geschichte eines Outfits dort, wo es angezogen wird. Bei Amy beginnt sie oft Wochen früher. Dann entstehen erste Ideen, Skizzen, Schnittmuster und irgendwann die ersten Latexteile auf dem Arbeitstisch. Bis ein fertiges Outfit schließlich genau so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat.

Das pinke Sport-Set, das auf dieser Bildserie zu sehen ist, ist dafür ein perfektes Beispiel.

Die Idee stammt von Amy. Das Design stammt von Amy. Das Outfit wurde von Amy gefertigt. Und irgendwann stand sie damit bei mir vor der Tür und wir überlegten gemeinsam, wo man so etwas eigentlich fotografieren könnte. Denn wenn man schon ein Outfit hat, das aussieht, als wäre es direkt aus einer alternativen Version der Sportgeschichte entsprungen, dann sollte auch die Umgebung dazu passen.

Die Wahl fiel schließlich auf eine moderne Architekturkulisse mit klaren Linien, großen grauen Flächen und möglichst wenig Ablenkung. Nicht, weil die Location spektakulär sein sollte, sondern weil sie genau das Gegenteil sein durfte. Das kräftige Pink des Outfits sollte die Aufmerksamkeit bekommen. Die Umgebung sollte lediglich den Rahmen liefern.

Amy Grey dehnt ihr Bein an einer hellen Wand und trägt ein pinkes sportliches Latex-Set mit weißen Socken und Sneakern.
„Wenn ein Shooting schon mit Dehnübungen beginnt, wirkt das direkt deutlich professioneller als mein gesamtes Verhältnis zu Sport. 😉“

Schon die ersten Aufnahmen machten deutlich, dass die Kombination funktionieren würde. Amy nutzte die Wand für eine Dehnübung und für einen kurzen Moment sah es tatsächlich so aus, als würden wir hier eine ernsthafte Sportkampagne fotografieren. Dann fiel der Blick auf das glänzende Latex und die Illusion war wieder verschwunden. Genau dieser Kontrast macht das Outfit aber so interessant. Es übernimmt viele bekannte Elemente klassischer Sportswear und verwandelt sie in etwas völlig Eigenständiges.

Die weißen Streifen auf dem Top, die hohen Socken und die Sneaker erzeugen sofort eine vertraute Assoziation. Gleichzeitig sorgt das Latex dafür, dass niemand ernsthaft glaubt, dieses Outfit sei für die nächste Joggingrunde gedacht. Es spielt mit Erwartungen und genau deshalb bleibt es im Gedächtnis. Und wenn man Amy kennt, wird schnell klar, dass genau solche Ideen typisch für sie sind. Sie hat nie einfach nur Latexkleidung hergestellt. Sie hat mit Formen, Farben und Erwartungen gespielt und dabei oft Dinge geschaffen, die man so vorher noch nicht gesehen hatte.

Amy Grey blickt an einer Gebäudewand direkt in die Kamera und trägt ein pinkes sportliches Latex-Outfit
„Der Blick sagt ziemlich deutlich, dass Diskussionen über passende Trainingskleidung an diesem Tag zwecklos waren.“

Was mir an Amy immer wieder gefällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie solche Ideen präsentiert. Viele Outfits wirken nur auf dem Papier gut. Andere sehen auf dem Kleiderbügel spannend aus und verlieren ihre Wirkung, sobald jemand sie trägt. Bei Amy passiert oft das Gegenteil. Erst vor der Kamera entfalten ihre Designs ihre eigentliche Wirkung. Vielleicht liegt das daran, dass sie nicht nur das fertige Outfit kennt, sondern jeden einzelnen Arbeitsschritt, der dorthin geführt hat.

Wenn man ein Kleidungsstück selbst entworfen und gefertigt hat, entwickelt man zwangsläufig eine andere Beziehung dazu. Man trägt nicht einfach nur das Ergebnis. Man präsentiert eine Idee, die vorher nur im eigenen Kopf existiert hat. Genau das spürt man auch auf diesen Bildern.

Amy Grey posiert vor einer modernen Fassade und hält ihren Pferdeschwanz, während sie die Kamera direkt ansieht.
„Es gibt Outfits, die man trägt. Und es gibt Outfits, die den gesamten Raum übernehmen. Dieses gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.“

Während Amy vor der Kamera arbeitete, wurde mir immer deutlicher, wie durchdacht dieses scheinbar verspielte Outfit eigentlich ist. Nichts wirkt zufällig. Die Proportionen stimmen, die Linienführung funktioniert und selbst kleine Details tragen dazu bei, dass der sportliche Charakter sofort erkennbar wird. Genau darin liegt die Stärke guter Designs. Sie müssen ihre Idee nicht erklären. Man erkennt sie sofort.

Gleichzeitig wirkte das Outfit nie wie ein Kostüm. Das ist ein schmaler Grat. Gerade bei außergewöhnlichen Designs besteht immer die Gefahr, dass sie wie eine Verkleidung wirken. Amy schafft es jedoch immer wieder, ihre Kreationen so selbstverständlich zu tragen, dass genau dieser Eindruck gar nicht erst entsteht. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie immer genau wusste, welche Wirkung sie erzielen wollte.

Amy Grey steht mit geschlossenen Augen vor einer Fassadenwand und trägt ein pinkes sportliches Latex-Set.
„Manchmal entstehen die stärksten Aufnahmen genau dann, wenn niemand versucht, besonders stark auszusehen.“

Zwischen den eigentlichen Posen entstanden immer wieder kleine Pausen. Amy schloss kurz die Augen, atmete durch und genoss für einen Moment einfach die Sonne. Genau diese Augenblicke gehören für mich oft zu den interessantesten Teilen eines Shootings. Sie entstehen nicht auf Kommando und lassen sich auch nicht planen. Man bemerkt sie nur, wenn man aufmerksam genug ist.

Vielleicht gefallen mir deshalb viele dieser Bilder so gut. Sie zeigen nicht nur das Outfit. Sie zeigen auch die Ruhe zwischen den Aufnahmen. Die Momente, in denen niemand versucht, besonders spektakulär zu wirken. Gerade solche Aufnahmen erzählen oft mehr über eine Person als die perfekt geplanten Posen.

Amy Grey blickt nach unten und posiert auf einer freien Fläche in einem pinken Latex-Outfit mit weißen Kniestrümpfen.
„Wer behauptet, Latex könne nicht elegant wirken, hat offensichtlich noch nicht genau hingesehen.“

Als wir uns etwas von der Wand entfernten, veränderte sich die Wirkung der Bilder erneut. Plötzlich wurden die langen Schatten sichtbar und das Licht begann, auf dem Latex zu arbeiten. Genau hier zeigt sich eine Eigenschaft, die mich an diesem Material seit Jahren fasziniert. Es verändert sich ständig. Jede Bewegung, jede Drehung und jeder Schritt erzeugen neue Reflexionen. Das Outfit bleibt dasselbe und wirkt dennoch auf jedem Foto ein wenig anders.

Gerade bei kräftigen Farben entsteht dadurch eine Dynamik, die man mit anderen Materialien kaum erreicht. Mal erscheint die Oberfläche beinahe flüssig, mal erinnert sie eher an lackiertes Metall. Dieser ständige Wechsel sorgt dafür, dass Latex selbst bei schlichten Posen niemals langweilig wird.

Amy Grey steht seitlich zur Kamera und blickt über die Schulter, während sie ein sportliches Latex-Set trägt.
„Der Moment, in dem man beschließt, dass ein normaler Spaziergang deutlich langweiliger gewesen wäre.“

Während des Shootings musste ich mehrfach an die Werbefotografie der Achtziger denken. Nicht, weil das Outfit altmodisch wirken würde. Ganz im Gegenteil. Aber diese Mischung aus kräftigen Farben, klaren Formen und einem gewissen spielerischen Selbstbewusstsein erinnerte mich immer wieder an diese Zeit. Das Outfit nimmt Elemente klassischer Sportswear auf, ohne sie einfach zu kopieren. Es entwickelt daraus etwas Eigenständiges.

Vielleicht funktioniert die Serie gerade deshalb so gut. Sie nimmt eine vertraute Bildsprache und verändert sie gerade weit genug, um interessant zu werden. Und genau das war schon immer eine der Stärken von Amys Arbeiten. Ihre Designs waren oft unverwechselbar, ohne laut sein zu müssen.

Ganzkörperaufnahme von Amy Grey vor einer modernen Fassadenwand in einem pinken sportlichen Latex-Outfit.
„Manche Farben bitten um Aufmerksamkeit. Dieses Pink fordert sie einfach ein.“

Je länger wir fotografierten, desto mehr bestätigte sich auch die Entscheidung für die Location. Die nüchterne Architektur blieb genau das, was sie sein sollte: eine Bühne. Sie konkurrierte nicht mit dem Outfit, sondern unterstützte dessen Wirkung. Graue Fassaden, klare Linien und große Flächen sorgten dafür, dass das Auge immer wieder automatisch dort landete, wo es landen sollte.

Bei Amy.

Und bei einem Design, das ihre Handschrift trägt.

Die Idee für das Outfit stammt von ihr. Die Umsetzung ebenfalls. Meine Aufgabe bestand darin, den passenden Rahmen dafür zu finden und die Bilder entstehen zu lassen. Mehr brauchte es eigentlich nicht.

Amy Grey posiert mit geschlossenen Augen in einem pinken Latex-Set vor einer modernen Gebäudefassade.
„Ein letzter Moment im Licht, bevor das nächste Outfit auf seinen Einsatz wartet.“

Als wir die letzten Aufnahmen im Kasten hatten, blieb vor allem ein Gedanke zurück. Diese Serie zeigt Amy nicht nur als Gastmodel. Sie zeigt die Designerin hinter Miss Grey Latex Fashion. Die Frau, deren Arbeiten über viele Jahre hinweg einen sichtbaren Teil von shi-vas geprägt haben und deren Outfits auf unzähligen Fotos von Coco und Lilly zu sehen waren.

Heute bekommt diese Bildserie für mich deshalb noch eine zusätzliche Bedeutung. Amy ist inzwischen weder als Model noch als Designerin aktiv. Miss Grey Latex Fashion gehört damit ebenso zur Geschichte wie viele der Shootings, die wir gemeinsam umgesetzt haben. Ehrlich gesagt finde ich das bis heute schade. Menschen mit so viel Kreativität, handwerklichem Können und eigenen Ideen begegnet man nicht allzu oft. … und noch viel seltener darf man sie dann auch tatsächlich als „Freund“ bezeichnen!

Umso mehr freue ich mich über Serien wie diese. Sie zeigen nicht nur Amy vor der Kamera. Sie zeigen gleichzeitig die kreative Person hinter vielen Outfits, die die Geschichte von shi-vas über Jahre hinweg begleitet haben. Man sieht die Designerin, die Handwerkerin und das Model in einer einzigen Bildserie.

Vielleicht gefallen mir die Bilder genau deshalb so gut. Sie zeigen nicht einfach nur ein auffälliges Latex-Outfit. Sie zeigen den gesamten Weg von einer Idee bis zum fertigen Foto. Von der ersten Skizze über die Arbeit in der Werkstatt bis zu dem Moment, in dem die Kamera auslöst.

Und wenn man die Geschichte hinter dem Outfit kennt, wirken die Bilder vielleicht noch ein kleines bisschen besser. Denn die meisten Menschen tragen Kleidung. Amy hat sie entworfen, gefertigt und anschließend selbst vor der Kamera präsentiert.

Genau das macht diese Serie für mich so besonders. 😌


Manche Shootings tragen sich selbst,
weil Model und Outfit untrennbar zusammengehören.
Genau das war hier der Fall.

Die Fotos mit Amy Grey zeigen Latexfashion in ihrer reinsten Form. Nicht als Accessoire, sondern als zentrales Gestaltungselement. Das Material liegt eng an, arbeitet mit Licht und Bewegung und bringt Linien klar nach vorn. Amy bewegt sich darin selbstverständlich. Man merkt sofort, dass sie weiß, was sie trägt – und warum.

Nichts wirkt austauschbar.
Und nichts wird erklärt.
Latex funktioniert hier über Präzision. Der Schnitt führt den Blick, der Glanz hält ihn fest. Amy bringt Ruhe in das Setting, bleibt kontrolliert, präsent und lässt dem Outfit genau den Raum, den es braucht.

Solche Serien leben vom Zusammenspiel.
Der Körper präsentiert das Design,
das Design verstärkt die Präsenz des Körpers.
Beides greift ineinander, ohne sich zu überlagern. Latexfashion wird hier nicht ausgestellt, sondern getragen.

Gerade diese Klarheit macht die Bilder stark.
Kein Überzeichnen, kein Effekt um des Effekts willen. Amy und das Latex funktionieren gemeinsam – ruhig, konzentriert und mit einer Bildsprache, die stehen bleibt.

Was ist dir zuerst aufgefallen?
Der Schnitt, das Material oder dieses klare Zusammenspiel aus beidem?

Schreib es gern in die Kommentare.

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Was shi-vas ausmacht, wie wir arbeiten und warum wir Bilder lieber wirken lassen als erklären, erfährst du auf unserer Über-uns-Seite.

Euer
Micha 📷

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Micha

Über den Autor

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